Jugendtreff – Wird das in Wallstadt jemals so weit kommen?

Mittwochabend, 19 Uhr, der kleine Saal im Keller des DJK-Gemeindezentrums ist bis auf den letzten Platz gefüllt, rechts und links stehen Menschen dicht gedrängt. Unter ihnen viele Jugendliche, lokale Politprominenz wie Stadtrat Wolfgang Raufelder (Grüne), Stadträtin Evelyne Gottselig (SPD) und die Bezirksbeiräte Schöning-Kalender (SPD) und Welk (CDU). Der Grund: Die Stadt Mannheim informiert über die fortgeschrittene Planung für einen Jugendtreff im alten Pumphaus an der Amorbacher Straße. Die Pläne dafür hängen an den Wänden und werden von Befürwortern und Gegnern des Standpunktes interessiert angeschaut.
Nach der Begrüßung durch Clemens Hotz, Leiter der Jugendabteilung im Fachbereich Kinder, Jugend und Familie, erläutert zunächst Gerda Merkel, die aus dem gleichen fachbereich stammt und das Jugendhaus in Vogelstang leitet sowie für die Einrichtungen im Rott und in Feudenheim zuständig ist, die Pläne für den Anbau am Pumpenhaus sowie pädagogische Konzepte, die hinter einem solchen Jugendtreff stecken. 200 m² soll die mittlerweile 7. intensiv geprüfte Variante eines Jugendtreffs groß sein, mit Café und Computerraum sowie verschiedenen weiteren Räumen, in den sich die Jugendlichen aufhalten und sinnvoll beschäftigen können.
Die Pläne für den Neubau sind schon soweit ausgearbeitet, dass die bei einer Zustimmung des Gemeinderates direkt als Bauantrag beim zuständigen Amt eingereicht werden könnten. Und sie können sich optisch sehen lassen, wie auch Wolfgang Raufelder findet, der als Architekt auf Fachwissen zurückgreifen kann. Baulich könnte man den Jugendtreff wohl als Aufwertung des relativ tristen Areals rund um den Kerweplatz, der für Veranstaltungen schon lange nicht mehr benutzt wird und der schon als möglicher Standort eines Lebensmittelmarkt von Anwohnern blockiert wurde, betrach- ten. Und einige der Anwohner, die im übrigen von sich behaupten, sie seien Befürworter eines Jugendtreffs, versuchen auch nun wieder, eine solche Einrichtung an dieser Stelle in der geplanten Form zu verhindern. Vor allem über den Standpunkt eines möglichen Jugendtreffs wurde z. T. emotional diskutiert.
Es sei zu laut, es fällt zu viel Grün weg, ein Wasserspeicher der Freiwilligen Feuerwehr sei in Gefahr – und überhaupt – es sei ja eigentlich gar kein Geld da (siehe Renovierungsstau bei Kunsthalle, Hallenbad Vogelstang, etc.). Da passt es irgendwie nicht ins Bild, dass andere Anwohner auf einmal die ganz große Lösung fordern, mit
Park und Ententeich, und in der Mitte des Platzes, schön weit weg vom Rest der Gesellschaft, wäre dann ein schöner Platz wo die Jugend ihre freie Zeit, die trotz Aktivitäten in Vereinen
bei Jugendlichen vor allem in den Abendstunden vorherrscht, verbringen könnte. „Da wird wohl wieder gespart wo es geht“, so ein besorgter Anwohner, der befürchtet, dass die Einrichtung zu nah an sein Haus gebaut werde. Falsche Sparsamkeit kann in Anbetracht der Summe, zu der am
Abend nichts gesagt wurde – man spricht aber von um die 420.000 € – wohl kaum als besonders stichhaltiges Argument zählen.
Fest steht, ein Jugendtreff muss her – findet auch die Polizei, die an diesem Abend durch den Leiter des Revieres Käfertal, Polizeirat Peter Albrecht, und den Postenführer aus Feudenheim, Michael Heitlinger, vertreten ist. Ein Jugendtreff sei als Ort für die Kommunikation zwischen Polizei und der Jugend auch in Wallstadt zu befürworten. Hoffnung indes, dass mit einem Jugendtreff die angestiegene Zahl der Ruhestörungen und Sachbeschädigungen in Wallstadt auf Null zurückgeht, dämpft der anwesende Polizeirat. Diejenigen, die Straftaten und Ordnungswidrigkeiten begingen, seien auf einem solchen Weg selten zu erreichen. Mit dieser „Last“ werde die Gesellschaft immer leben müssen und tut dies im übrigen auch schon immer.
Argumente von älteren Mitbürgern, früher hätte man sich nicht mitten im Dorf zusam- mengerottet und mit Müll um sich geworfen, werden von einer Mutter entkräftet: Man hätte in der eigenen Jugend auch schon am Bahnhof gesessen und Bier getrunken, nur hätte es damals keinen gestört, da damals das Gebiet um den Bahnhof nahezu unbebaut war und man somit niemanden stören konnte. Es fehle einfach an Rückzugsor- ten, die für die Jugendlichen gut und vor allem sicher zu erreichen seien, und wo sie trotzdem ungestört sein können. Bisher werden die Mädchen und Jungen immer nur vertrieben – vom Kerweplatz zum Bahnhof, vom Bahnhof ins Kiesloch usw. – doch keiner gibt ihnen einen Ort, wo sie sich treffen dürfen.
Im Laufe des Abends stellt sich immer deutlicher herraus, dass zwar jeder einen Jugendtreff in Wallstadt will und z. T. auch für notwendig erachtet, kaum einer ist aber dazu bereit, ihn in unmittelbarer Nähe seiner Wohnungstür zu akzeptieren. Doch auch die Anwohner des Kerweplatzes müssen zugeben, dass es in Wallstadt nur noch wenige Bauflächen gibt, die für einen Jugendtreff in ähnlich guter Weise geeignet wären, wie das alte Pumpwerk. Fast alle Baulücken wurden oder werden in näherer Zukunft geschlossen – viele mit Alten- und Seniorenheimen. Auf der Strecke geblieben sind bei derartigen Planungen einzig die Jugendlichen.
Weiteres Argument eines Gegners: in der Umgebung werden in einigen Jahren 60 – 70 % der Anwohner das Rentenalter erreicht haben. Hier passe ein Jugentreff einfach nicht rein. Er fürchte einfach, dass sein im Alter höheres Bedürfnis nach Ruhe hier nicht mehr ausreichend Rechnung getragen werden könne. Doch dass in der Umge- bung von Jugendtreffs selten zu Beschwerden der Anwohner kommt, berichten gleichermaßen die anwesenden Betreiber des Jugendtreffs in Feudenheim, Beate Hauke (Dipl.Soz.Arb. FH) und Matthias Greulich (Dipl.Soz.Arb. FH), und Polizei. Schließlich seien die Jugendlichen hier ja betreut und so käme es selten zu Ruhestörungen – und wenn doch, dann kann man in aller Regel mit den Jugendlich darüber reden.

Kurzum: Die Stadt ist bereit, hier ordentlich zu investieren. Ein Jugendtreff in Wallstadt ist sinnvoll. Die Zahl der Jugendlichen zwischen 10 und 18 Jahren ist hoch und wird in den nächsten Jahren vermutlich immer weiter steigen. Wallstadt versteht sich als familienfreundlich, umso trauriger, dass es offensichtlich nahezu unmöglich ist, einen Jugendtreff zu realisieren.

4 Comments »

  1. Mace

    6. Dezember, 2007 @ 22:41

    wo hasten den bericht geklaut?

    gute arbeit

  2. Gastro

    7. Dezember, 2007 @ 18:18

    Wer hat den Bericht überhaupt geschrieben?

  3. xearb

    8. Dezember, 2007 @ 12:43

    der jugendtreff ist doch am vogelstangsee, wieso braucht man denn noch einen? :)

  4. Martina

    14. Januar, 2008 @ 20:44

    Ist am Mittwoch wieder so ne Sitzung?!
    Wenn ja, wann und wo?
    geht jemand hin??

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